Franziska Schlichting Bayerische Doppelmeisterin – Luise Wolfschmitt überrascht mit Bronze

Eine Mammutveranstaltung wurde am vergangenen Wochenende im unterfränkischen Hösbach unter der Federführung der LG LK Aschaffenburg ausgetragen, 863 Aktive aus 172 Vereinen starteten bei diesen Bayerischen Einzel-Meisterschaften bei hochsommerlichen Temperaturen. Die vielseitig begabte 15-jährige Franziska Schlichting war als Medaillenkandidatin in ihren zwei Disziplinen 100m Hürdensprint und Weitsprung angereist. Am Samstag stand aber für die U18 Mädchen aus Hauzenberg erst einmal die 4x100m Staffel auf dem Programm. Mit der Vorleistung von 51,65sek. standen Rebecca Nowotni, Luisa Donaubauer, Luise Wolfschmitt und Franziska Schlichting lediglich auf Platz 14 von 21 Staffeln in der Meldeliste. Im Vorfeld der Meisterschaft entschieden die Athletinnen mit Trainerin Heidi Ebner, dass ein Wechsel der Startreihenfolge vorgenommen werden soll. Luisa, die bisher auf Position zwei lief, und Franziska, bisher immer die Schlussläuferin, tauschten die Plätze, weil Franziska im fliegenden Sprint die schnellere der beiden ist. Im Training gab es aber noch Probleme mit den Wechseln. Die Meisterschaft wurde in Zeitendläufen entschieden, es gab also keine Möglichkeit über Vor- und Endlauf sich noch zu verbessern. Hoch konzentriert gingen die Vier in ihrem Lauf an den Start, alle drei Wechsel klappten sehr gut und Luisa verteidigte ihren Vorsprung, den ihre drei Staffelkolleginnen ihr mitgegeben hatten, bis ins Ziel. Mit einer Verbesserung um über eine Sekunde auf 50,63sek. gelang der Laufsieg und mit Platz 7 durfte die Mannschaft am Ende wirklich zufrieden sein.
Den Auftakt am Sonntag machte Luise Wolfschmitt. Mit Platz sieben der Meldeliste war es in erster Linie der Plan, sich mit einer neuen persönlichen Bestleistung möglichst teuer zu verkaufen. Bereits im zweiten Versuch gelang dies mit einer Weite von 10,71m., das bedeutete auch gleichzeitig den dritten Zwischenrang. Da die Konkurrenz ihre besten Weiten an diesem Tag nicht bestätigen konnte, durfte sich Luise völlig überraschend erstmals eine Bayerische Einzelmedaille bei der Siegerehrung abholen.
Der Nachmittag sollte dann eine Gala für Franziska Schlichting werden. Im Vorlauf über die 100m Hürden reichte ein kontrollierter Sprint ohne Risiko für den Sieg in 14,45sek. und die zweitbeste Zeit aller 26 Mädchen. Im Endlauf gelang Schlichting dann ein sehr guter Start, bereits an der zweiten Hürde war die gesamte Konkurrenz chancenlos. Mit sauberer Technik überquerte die Kellbergerin alle zehn Hürden schnell und sicher und im Ziel stand dann eine neue Bestleistung mit 14,05sek. bei leichtem Gegenwind von 0,8m/sek. Der Vorsprung vor der Zweitplatzierten Emma Neumann aus Herzogenaurach betrug riesige 0,61 Sekunden, die Dritte Carolina Hammer aus Bad Endorf kam knapp dahinter in 14,69sek. ins Ziel.
Mit dieser Goldmedaille und dem damit verbundenen Ehrenpreis (s. separater Bericht) von allem Druck befreit, wurde aus dem Weitsprung-Wettbewerb eine One-Women-Show. Im ersten Versuch traf sie das Absprungbrett perfekt, kam richtig ins Fliegen und landete erst bei herausragenden 5,92m. Damit sprang sie an diesem Wochenende weiter als alle älteren Starterinnen der U20 und der Frauen. Die U18-Konkurrenz war sichtlich geschockt, die im Vorfeld bessere Helene Rduch aus Fürth hatte keine Chance. Auch mit ihrem zweiten Versuch hätte Schlichting noch gewonnen, dieser wurde mit 5,64m gemessen. Nach diesen zwei Versuchen beendete sie den Wettkampf, die nächsten Meisterschaften stehen schon nächste Woche auf dem Programm und der Riesensatz muss auch mental erst einmal verarbeitet werden. Der Gold-Sprung brachte Schlichting auf Platz 6 der heurigen deutschen Bestenliste. Ihre bisherige Bestweite übertraf sie um 29cm, im Weitsprung eine riesige Verbesserung. Silber holte sich Amelie Giese aus Zirndorf mit 5,56m, für die Fürtherin Rduch blieb Bronze mit 5,55m.
In den Aufzeichnungen des TV Hauzenberg findet sich nur eine Athletin, die jemals weiter gesprungen ist, nämlich Silvia Anetzberger. 1983 sprang die wohl beste Leichtathletin des TV mit 6,24m zum Deutschen Meistertitel der Juniorinnen und zum noch heute gültigen Niederbayerischen Rekord. Die bisherige Zweite der ewigen Bestenliste Hauzenberg ist keine Geringere als die jetzige Trainerin Heidi Ebner. Ihre Bestweite von 5,91m wurde um einen winzigen Zentimeter übertroffen.
Luise Wolfschmitt beendete den Weitsprung auf Platz 8 mit 4,94m. Luisa Donaubauer war mit ihrem Hürdenlauf in 16,48sek. nicht zufrieden, Rhythmusprobleme zwischen den Hürden verhindern noch eine bessere Zeit.

Dritter Wechsel von Luise auf Luisa
Bild Claus Habermann
Rebecca – Franziska – Luise – Luisa
Beste niederbayerische Staffel der U18 auf Platz 7

Luise auf dem Weg zur Bronzemedaille – 10,71m
Bild Claus Habermann
Luisa im Vorlauf 16,48sek.
Bild Claus Habermann
Franziska kämpft um jeden Zentimeter – 5,92m
Bayerische Meisterin, deutsche Rangliste Platz 6
Bild Claus Habermann
Franziska an diesem Tag konkurrenzlos – 14,05sek. Bayerische Meisterin
Bild Claus Habermann

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